70000 Tons Of Metal – Der erste Abend auf See
Unterwegs an der Front | Autor: Leimsen | 27.01.2011 | 3 Kommentare
Montag Abend, 24. Januar:
ES GEHT LOS! Noch liegen wir im Hafen, aber die „Majesty Of The Seas“ bewegt sich. Es kommt schon ziemlich cool, mit einem Pils auf dem Oberdeck zu stehen und zu sehen, wie sich die Skyline von Miami im Hintergrund bewegt. Komisch wirkt nur, dass das Schiff kurz parallel zu einer Autobahn am Ufer fährt. Vielleicht gibt‘s es am Heck ja sogar einen Aufkleber: „Hupen zwecklos, meiner ist größer!“ Wäre passend. Denn runtergucken von ganz oben…ist beeindruckend. Und die Reeling ist gar nicht mal so hoch. Man kann hier theoretisch schon runterfallen, wenn man blöd genug ist, hier rumzuklettern.


Auf den Bühnen soll es kurz nach dem Auslaufen losgehen, aber das verzögert sich ja, wie beim letzten Mal beschrieben. Dafür sind die Bars, der Pool und die Jacuzzis auf dem Oberdeck geöffnet, man sieht Metal-Shirts und Bikinis gleichermaßen. Die Menge sieht bei näherer Betrachtung gar nicht anders aus als bei üblichen Sommerfestivals an Land: Hier finden sich nicht nur ältere Rock-Anhänger mit mehr Kohle, sondern auch Kuttenträger, junge Headbanger und normale Fans eben. Selbst wenn jugendliche Fans fehlen: Wir befinden uns zwar auf einem Kreuzfahrtschiff, aber „Metal goes Luxus“ stimmt nicht.
Drei Bühnen gibt es auf der „Majesty Of The Seas“: Oben am/auf dem Pool, im schiffseigenen Theater namens „A Chorus Line“ (das ist quasi die Hauptbühne) und in einer Bar namens „Spectrum“, wo offensichtlch sonst die Lounge-Band zum Tanz bittet (hier müssen die Bands mit weniger Platz auskommen). Im Theater sollen Exodus eigentlich loslegen, aber wegen der Verzögerung bleiben die Türen erstmal zu. Deshalb stehen die Fans biertrinkend und feiernd im Flur – eine Metalparty auf Teppichboden. Abgefahren. Die Aufregung über die ungewohnte Situation ist zu spüren, die Stimmung aber entspannt. Ebenfalls vor der Tür steht allerdings auch Exodus-Gitarrist Lee Altus, der mit der Gitarre über der Schulter nicht ganz genau weiß, wo er eigentlich hin soll. Und er wird nicht der einzige bleiben: Auch Mike von Destruction fragt erstmal nach dem Weg, aber so richtig kennt sich noch keiner im Schiff aus.
Als es endlich losgeht, werden die Augen groß: Im Theater gibt es neben der freien Fläche vor der Bühne (auf Teppichboden!) jede Menge Ledersessel, Am-Platz-Service und eine Galerie, die gute Sicht aus der Vogelperspektive bietet. Mehr als 700 Leute passen hier wohl nicht rein, und ganz voll ist es nicht. Überhaupt verteilen sich die Leute auf dem Schiff, weil man immer wieder irgendwo hängenbleibt oder einfach unterwegs ist. Exodus legen eine ziemlich rabiate Show hin, wunderbare Bay Area-OldSchool, zu der sich Gary Holt auch ganz passend in eine ganz, ganz enge Jeans geschmissen hat. Sänger Rob Dukes erklärt, dass die Band eigentlich zu der Titelmelodie von ,Hateboat‘, dem amerikanischen Traumschiff quasi, auf die Bühne kommen wollte.
Im „Spectrum“ rocken Arsis vor überschaubarer Kulisse und bei überschaubarem Sound. Leider wird das für die meisten Bands auf dieser Bühne gelten, etwa für Destruction später. Natürlich lässt sich das Trio nicht die Butter vom Brot nehmen. So erklärt Schmier: „Insbesondere in Amerika gibt es oft Ärger, wenn man einen Moshpit startet. Hier kann aber niemand rausgeworfen werden! Also: Los!“
Auf dem Oberdeck gehören Nevermore zu den Höhepunkten: Es windet sehr, und auch das Schiff schaukelt mehr, als man das erwarten durfte. Den Bass bedient heute eine Dame, die dem Vernehmen nach in der Soloband von Warrel Dane spielt(e); der etatmäßige Tieftöner Jim Shephard der Band ist wegen der anstehenden Sanctuary-Shows allerdings an Bord. Sonderbar und ein wenig besorgniserregend, denn der Mann sieht nicht wirklich gesund aus. Nevermore legen trotzdem ein solides Set auf‘s Parkett, müssen sich aber wie alle anderen erstmal an den immensen Wind und das Geschaukel gewöhnen, das sicher größer ist, als man bei einem solchen Riesenkahn erwarten konnte. So wird auch der Pool zum Wellenbad, die Gischt fliegt, obwohl wir uns hoch über dem Meeresspiegel befinden. Vielleicht ist gerade einfach mehr Luft unterwegs…
Überall stehen Leute herum, gerne mit einem Kübel voller Pilse, die Gänge und Treppen sind voll, die Fans wollen die „Majesty Of The Seas“ erstmal erkunden. Das Gewusel alleine ist schon interessant, das Sprachenmischmasch ebenso: Aus 48 Ländern kommen die Gäste, die meisten davon aus den USA und aus Deutschland. Abends um 11 wird es allerdings deutlich ruhiger, der „Verkehr“ nimmt ab. Deshalb ist es auch nicht ganz voll, als der Headliner Blind Guardian mit anderthalbstündiger Verspätung im Theater loslegt: ,Sacred‘, ,Welcome To Your Death‘, ,Nightfall‘ stehen auf der Setlist, die Leute feiern trotz technischer Probleme – und Hansi legt es wegen der Schiffsbewegungen fast auf den Hintern. Sein Kommentar: „Sonst passiert sowas nur, wenn ich besoffen bin!“
Die coolste Bühne ist aber definitiv die Poolbühne: Wer will, kann sich hinter der Band positionieren und von oben zu gucken. Backstage für alle, wenn man so will. Hier spielen zu später Stunden unter anderem Fear Factory, die ordentlich Alarm machen, aber kaum mehr als 200 Leute motivieren konnten. Womöglich ging die Party zu früh zu sehr ab, womöglich sind die Leute einfach müde von Jetlag, frühem Einchecken oder 1000fachem Treppensteigen. Alkoholleichen und sonstige Ausfälle sieht man allerdings quasi gar nicht: Die Metal-Fans lassen es krachen, aber benehmen sich. Da kann man mal sehen.
Und damit zurück ins Funkhaus…
Leimsen
PS: Bud Light geht echt gar nicht. Und ich bin bei Bier nicht zimperlich.
70.000 tons · Arsis · Blidn Guardian · Destruction · Fear Factory · Festival · Miami · Nevermore · Rage · Sanctuary- 27.01.2011
von Leimsen
Suche im Blog
Kategorien
Werbung
Letzte Artikel
all ends Bericht Berlin Bier Black Metal Blog Death Metal Festival Film Games Graspop Humor Iron Anz iron maiden Judas Priest Konzert Live metal METAL HAMMER Metal Hammer Blog Metallica motörhead oomph Redaktion Rock am Ring Sex slayer slipknot summer breeze Tour-Tagebuch Trash Unsinn Video Volo-Tagebuch Wacken Youtube
Blogroll
Archiv













Kommentare 3
Es gibt keinen Blind Guardian-Song namens "Welcome to your Death" =P
dent am 27. Januar 2011 19:41
Geil,das man hier erfährt was man so verpasst. Wäre gerne selbst dabei, aber nicht das geld. So kann man es sich besser vorstellen, was da so abgeht auf dem "Dampfer" Weiter so............ Peter
peter am 28. Januar 2011 05:28
@leichtmatrose leimsen: "bud light geht gar nicht" .. deswegen heisst es ja auch budwater !! ;-) und ja...es ging gar nicht. und da ein ordentlicher humpen jack d. cola genauso viel kostete wie die wasserbruehe, war der umstieg doch einfach ;)
fuso am 9. Februar 2011 15:26