70000 Tons Of Metal – Die Cruise legt ab
Unterwegs an der Front | Autor: Leimsen | 26.01.2011 | 4 Kommentare
Montag, 24. Januar, Hafen von Miami:
Endlich ist der Tag gekommen: Heute soll die „Majesty Of The Seas“ ablegen. Dafür müssen alle Mitreisenden, die im nahegelegenden Miami Beach untergekommen sind, vom Hotel mit dem Taxi zum Hafen fahren. Mittlerweile auch dabei, weil gestern angekommen: Sodom mit neuem Trommler Markus „Makka“ Freiwald, der seinen ersten Gig gleich auf dem Schiff spielen darf. Gitarrist Bernemann macht sich darüber aber keine Sorgen: „Wenn er sich verspielt, lassen wir ihn kielholen“. Einfach.

Die Taxifahrt sollte eigentlich nur 20 Minuten dauern, aber heute gibt es ein Problem: Die Gegend um den Hafen ist komplett gesperrt, weil in einer nahegelegenen Halle eine feierliche Beerdigung für zwei Polizisten stattfindet, die kürzlich in der Gegend im Dienst ermordert wurden. Ein Taxifahrer empfiehlt uns, einfach eine Stunde zu warten. „Wird‘s dann besser?“, fragen wir. „Nein.“ Na toll. Unser Mann scheint aber alle Register zu ziehen und schlängelt sich über Nebenstraßen bis zum Terminal G durch – und da liegt sie: Die „Majesty Of The Seas“. Weiß, lang, und verdammt groß. Die Dinger sind echt riesig. Die Uferstraße davor ist gesäumt von schwarzgekleideten Gestalten, hier sieht es aus wie auf der Hauptstraße von Wacken. Ebenfalls mittendrin im Strom: Die Musiker. Direkt hinter mir gehen Rage und Forbidden, einen VIP-Eingang gibt es nicht. Großen Aufruhr verursacht das ebensowenig. Cool. Und das soll am ersten Tag auch so bleiben; mehr dazu später.
Die Koffer gehen zu einem weißgekleideten „Porter“, kurze Sicherheits-, Pass- und Ticketkontrolle – und schon stehen die Kreuzfahrer richtig nah dran:

Endlich rein. Hier sieht es wirkich aus wie auf dem Traumschiff: Teppichboden, goldene Treppengeländer, Bedienstete, die nicht im schwarzen Security-Shirt, sondern im Anzug oder weißen Hemd da stehen. Allerdings dengelt irgendwo auch Testaments „The New Order“ als Hintergrundberieselung aus der Anlage.
Die meisten Besucher genehmigen sich erstmal ein Bierchen (manche Sachen ändern sich glücklicherweise nie). Bezahlt werden alle Einkäufe an Bord über den „Sea Pass“, den jeder Mitsegler bekommen hat und für den eine Kreditkarte hinterlegt wurde. Preis für eine kalte Hopfenbrause: Um die 4 Dollar. Danach heißt es erstmal: Orientieren, Zimmer – Entschuldigung - Kabine finden. Die Koffer stehen anfangs im Flur bei den Aufzügen. Da Musiker und Fans gleichermaßen einchecken, stehen da auch überall Gitarrenkoffer. Auf diesem Schiff gibt es alles: Duty Free-Shops, Cafes, ein Burger-Restaurant, WLAN (für 0,65 Dollar die Minute), ein Fitnessstudio, eine Kletterwand, ein Spielcasino, unzählige Bars, 1000 Gänge, Treppen, Flure und Ecken drinnen und draußen.
Die Kabinen sehen aus wie kleine Hotelzimmer – nicht schlecht. Manche haben einen Balkon, andere ein Bullauge oder Fenster, andere sind mehr Richtung Schiffsinneres angelegt und müssen ohne viel Tageslicht auskommen. Das sieht gut und bequem aus, alle Zimmer sind recht schnell zu erreichen. Man kann also zwischen Band drei und vier oder nach Pils fünf auch mal eben „nach Hause“ schlappen. Cool.

Erste Station nach der Orientierungsphase: Essen auf dem 11. Deck. Dort gibt es ein großes Büffet, ziemlich genau wie im Urlaub. Die Verpflegung ist im Preis inbegriffen und ziemlich gut. Hier laufen auch Schmier von Destruction, Chuck Billy von Testament und die Jungs von Unleashed herum. Irgendwo soll es einen „Artist Bereich“ geben, aber das schient keinen zu interessieren.
Für 18 Uhr ist geplant, die Anker zu lichten, die erste Band soll um 19 Uhr anfangen. Allerdings hat das Verkehrschaos auch dazu geführt, dass ein Kran drei Stunden zu spät zum Schiff kam. Geplant ist, einen der beiden Pools abzudecken und davor eine Bühne zu errichten, die Poolside Stage. Zwei andere Bühnen befinden sich im Inneren des Schiffs, ein paar Decks tiefer. Weil der Kran allerdings die Bühnenteile und Backline auf das Pool-Deck 11 heben sollte, wackelt der Zeitplan. Aber egal, wir sind ja noch länger hier, nicht wahr?
Zunächst steht ja auch erstmal die Sicherheitsunterweisung an, eine Pflichtveranstaltung, bei der jedem Passagier gezeigt wird, wo er sich im Falle eines Notfalls einfinden soll. Das gilt für ausnahmslos alle Mitfahrer, also stehen neben mir bei „Muster Station 3“, dem Treffpunkt, auch Byron Stroud von Fear Factory und der Sängeronkel Wiehießerdennnoch von Sabaton. Über Lautsprecher gibt es Instruktionen, alle sollen ruhig sein, was – wenig überraschend – nicht so ganz klappt. Als das Notfallsignal ertönt, sieben Mal kurz, ein Mal lang, wird jeder Trööt! mit einem lauten „Yeah!“ begrüßt. Kurz gibt‘s noch eine Erklärung zu den Schwimmweste, ein paar Leute singen aber schon „Viva Colonia“, und zurück geht‘s zum Pooldeck.
Hier laufen alle durcheinander, wer länger als 30 Sekunden ohne Drink herumsteht, wird von einem der Ober angesprochen. Dürsten muss hier niemand. Hansi Kürsch von Blind Guardian steht ganz oben auf dem Sonnendeck 12 mit einem Weißwein und guckt sich das Treiben an. Russ Bergquist von Duskmachine (ehemals Annihilator) läuft herum, die Moonspell-Jungs, ein paar Finnentrötencombo-Musiker sind – Überraschung! – schon ordentlich stramm, die Bühne wächst und gedeiht… Das wird interessant. Nur Bernemann von Sodom und sein Gitarrentechniker wundern sich: „Wo ist denn Angelripper? Schon über Bord?“ Wäre momentan noch nicht so schlimm, denn wir liegen immer noch am Hafen. Um viertel nach sechs geht allerdings ein Rumoren durch den Schiffsbauch…
Die „Majesty Of The Seas“ legt ab, die 70000 Tons Of Metal-Cruise kann beginnen! Traumschiff am Arsch, Metal kann schwimmen!
Es grüßt mit wirrem Haar, immer hart am Wind,
Leichtmatrose Leimsen
- 26.01.2011
von Leimsen
Suche im Blog
Kategorien
Werbung
Letzte Artikel
all ends Bericht Berlin Bier Black Metal Blog Death Metal Festival Film Games Graspop Humor Iron Anz iron maiden Judas Priest Konzert Live metal METAL HAMMER Metal Hammer Blog Metallica motörhead oomph Redaktion Rock am Ring Sex slayer slipknot summer breeze Tour-Tagebuch Trash Unsinn Video Volo-Tagebuch Wacken Youtube
Blogroll
Archiv







Kommentare 4
Fetter Scheiß! Das ist ja ein ziemlich großer Puff der Tanker da... wird an Bord auch gut getankt? muahahahar!
Anz am 26. Januar 2011 11:40
weiss eigentlich wer ob es dazu ne DVD geben wird ?
Ih8God am 26. Januar 2011 20:51
Alter Schwede, ich wär ja SO gerne dabei! Meine absolute Traumhochzeitsreise! Und mit Fear Factory, Testament, Obituary, Amon Amarth und Malevolent Creation auch gleich 5 meiner Top 10 Lieblingsbands dabei *seufz*. Berichtet viel und macht VIELE Fotos! ;)
Suuded am 28. Januar 2011 00:11
HI. mal eine Frage. würde da anfang 2012 auch gern mitfahren, aber jetzt darf man ja bei den AMI's erst ab 21 Alk trinken. Wie ist das dann am Schiff? Weil ein Metal-festl ohne Bier geht ja mal gar nicht ;) danke :)
caro am 16. April 2011 21:59