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70000 Tons Of Metal-Kreuzfahrt: Landgang!

Unterwegs an der Front | Autor: Leimsen | 26.01.2012 | 1 Kommentar

Ahoi nach METAL HAMMER-Land! Leichtmatrose Leimsen meldet sich erneut von Bord der “Majesty Of The Seas” mit einem Lied, zwo, drei, vier:

 

“Eine Kreuzfahrt, die ist lustig, eine Kreuzfahrt, die ist schön!

Man kann viele Bands und Pilse und sogar ne Insel sehen.”

 

Tadaa! Und es stimmt ja auch: Für den dritten Tag steht ein Landgang an, was natürlich Abwechslung ins Meeresmosher-Leben bringt.

Im vergangenen Jahr ging es nach Cozumel, Mexico, das sich aber als Insel gewordener Touristennepp entpuppte. Was wiederum einige Bands nicht davon abhielt, eine Strandbar zu annektieren und kurzerhand leerzutrinken. Auch eine Form der Piraterie, wenn man so will, nur mit besserer Musik. 2012 geht auf die Cayman-Inseln, die ungefähr… also… südlich… hm… also, wenn man reinkommt links, und dann nochmal fragen…. hmpf. Ok, ich geb’s zu, ich habe wegen einer Geografie-Behinderung gar nicht richtig Ahnung, wo die Caymans liegen und kann das hier auch nicht nachforschen. Aber es scheint die Sonne da. Wie nix Gutes. Und hier entlässt die “Majesty Of The Seas” heute 2000 Headbanger zum Landgang. Weil das Schiff aber viel zu groß ist, um direkt am Pier rechts ran zu fahren, muss diese Menschenmenge mit kleineren Tenderbooten übersetzen. Morgens um 9 geht es los, die Dinger fahren regelmäßig hin und her, und wer um halb sechs nicht wieder an Bord ist, muss zurückgelassen werden. (Das passiert auf Kreuzfahrten tatsächlich ab und an.) Deshalb entsteht prompt eine Art Rush Hour und damit eine Riesenschlange, die sich über zwei bis drei Stockwerke bis zu Deck 1 hinunter schlängelt. Warten lässt sich also nicht vermeiden. Immerhin erntet ein Seefahrer großes Gelächter, als er aus heiterem Himmel brüllt: “Es gibt gar keine Insel! Oh, mein Gott, wir werden dieses Schiff nie mehr verlassen!”

 

An Land drängen sich sofort Typen in Piratenkostümen auf, mit denen man Fotos machen soll, zudem kann man aus drölfzehn verschiedenen Touren und Besichtigungsfahrten wählen. Der kluge Reisende forscht aber im Vorfeld, und so nehme ich den Tipp gerne auf, einfach für vier Dollar mit dem Taxi zur “Seven Mile Beach” zu fahren. Dort muss man zwar ein paar Dollar abdrücken, kann sich aber ohne Umschweife in den tatsächlich blütenweißen Sand fallen lassen. Die Cocktails an der Bar taugen auch was, selbst wenn sie in Pappbechern daherkommen. Das scheint auch DD Verni von Overkill so zu sehen, denn er steht genauso am Tresen. Allerdings kostet ein Mojito schlappe zehn Dollar. Himmel, was ist denn hier los? Nochmal, zum Mitschreiben: Immer vorher nach dem Preis fragen. Dafür bin ich aber auch heute bisher noch mit niemandem verwechselt worden. Vielleicht ist der Fluch ja gebrochen.

 

Nun, was macht der kluge Reisende an einem weißen Sandstrand vor blaugrünem Meer, der unbarmherzig von der Sonne zugebrötzelt wird? Genau, er schläft ein! Und zwar nicht im Schatten. Clever. Ein Glück, dass ich so ein Sonnentyp bin (wir erinnern uns). Latin lover, Antonio Panteras und so weiter… Von wegen: Vermutlich bin ich wach geworden vom Geruch frisch angebratenen Schinkens, haha. Aber Glück gehabt, so schlimm war es dann doch nicht, und die schwarzverbrannten Stellen passen zum Shirt. Trotzdem: Lieber zurück zur Hafenpromenade mit ungefähr 12.000 Duty Free-Juwelier-Läden, wo sich die Touristen gegenseitig auf die Füße steigen. (Lustiger Gedanke: Man sollte hier ein paar Berliner absetzen, damit sie hauptberuflich über Touristen schimpfen können. Hahaha.) Interessanterweise haben noch drei andere Kreuzfahrtriesen vor der Insel festgemacht, die damit – bei einer Bevölkerungsstärke von etwa 55.000 – von geschätzten 15.000 Besuchern überrollt wird. Dass die Kuschelkreuzfahrer der anderen Schiff sonderbar gucken, als sich die schwarzen Horden über den Pier ergießen, versteht sich von selbst. Dass die Kuschelkreuzfahrer bei der Rückfahrt am späten Nachmittag aber schon die Pommesgabel in Richtung unseres Schiffes recken, überrascht da schon mehr.

 

Wir kaufen auch ein paar Kleinigkeiten für die Daheimgebliebenen, Tinnef gewissermaßen. (Tinnef… ein bisschen ist das ja ein Wort wie “Pipapo”, oder? Weiß irgendwer, was das bedeutet? Wenigstens dürfte das kein versteckter Schweinkram sein. Bei “Nippes” wäre ich mir da jedoch nicht allzu sicher.) Auf der Insel, im Städtchen George Town genau genommen, gibt es ein Hard Rock CafĂ©, das wir uns sparen, und eine Burger-Bar in Hafennähe. Deren Chef schaltet schnell und schmeißt AC/DC auf die Anlage. Das macht die Sache natürlich gemütlich. Und ich hatte mich sogar schon über Joe Satriani (!) in einem Tinnef- bzw. Nippes-Geschäft gefreut. (Was? Nein, nicht Joe Satriani in dem Laden. Da lief ein Song von ihm. Himmel, ihr wisst doch, was ich meine!) Wirklich tagesfüllend ist das alles aber nicht, also geht es zurück auf die “Majesty”. Oder wie wir Piraten sagen: “Time flies when you are having Rum!” Har, har.

 

An Bord werden Inselgeschichten ausgetauscht: So hat zum Beispiel ein erfolgreicher Agent, dessen Name hier nicht genannt werden muss, der aber so ähnlich wie “Shrek” klingt, den Programmpunkt “Delfine küssen” gewählt. Soll sehr interessant gewesen sein, aber wir wissen nicht, was seine Frau dazu sagt. Nachtgarm von Dark Funeral (bekannt auch von Negator) zeigt sich sehr begeistert von einem Ausflug auf eine Sandbank weiter draußen, wo er aus nächster Nähe Rochen beobachten konnte und ihm sogar ein Tier auf die Brust gelegt wurde. Soll abgefahren gewesen sein, weil die Dinger echt groß werden. Vielleicht hat sich ja folgendes Gespräch entsponnen:

“Hi, ich bin Nachtgarm!”

“Hi, ich bin Jochen!”

Man weiß es nicht.

Unser Mann jedenfalls zeigt Fotos rum, die erneut wieder wahnsinnig türkisblaues Wasser zeigen. Das sieht schon gut aus.

 

Nach so einem Tag unterwegs in fremden Kulturen, Nippesläden und auf der Sandbank “Chez Jochen” dürfte die Meute ausgehungert sein nach METAL. Man glaubt sogar eine gewisse Gespanntheit zu spüren, denn um 18 Uhr werden Overkill ihren Poolbühnen-Gig vom ersten Tag nachholen. Für die Abteilung “METAL HAMMER” steht aber erstmal Essen auf dem Programm, diesmal im bordeigenen Burger-Restaurant Johnny Rocket’s. Hier zahlt man 5 Dollar extra als “cover charge”, kann sich aber sonst wie an Bord üblich nach Herzenslust am Menü bedienen. Und die Burger sind wirklich gut, selbst wenn man dabei “Slim Fast” nicht mal denken darf. Das 50ies/60ies-Ambiente stimmt ebenso, bis hin zur Juke Box am Tisch! Einer der Kellner gibt uns einen Tipp: “Wählt mal F6!” Schwupps, gedrückt, und mit einem Budweiser Light am Arm gewartet… Randnotiz: Budweiser Light ist ungenießbar. Es gibt Kulturen, da würde man für sowas verkloppt werden. Echt. Aber ich schwiff ab (oder schwoff? Thomas “Schnabel” Sonder hatte da Bedenken). Denn als der F6-Song – “Last Dance” von Donna Summer – ertönt, stellen sich plötzlich alle Kellner in eine Reihe und tanzen die Nummer, mit Klatschen und synchronen Moves. Surreal. Aber irgendwie wundert man sich auch nicht mehr. Das ist gut. Und damit zurück ins Funkhaus!

 

Euer

Leimsen

 

70000 tons · Burger · dark funeral · Kreuzfahrt · landgang · metal · rochen · Sonne · Strand

  • 26.01.2012

von Leimsen

Kommentare 1
Pipapo

In Berlin im ... äh... schönen Wedding gibts nen Imbiss namens Pipasa.... ob das wohl in irgendeiner Beziehung zu Pipapo steht?!?! Fragen über Fragen...

Anonymous am 28. Januar 2012 20:12

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