Erlebnisse eines österreichischen Metallers in China – 1
Unterwegs an der Front | Autor: Tobias | 28.01.2010 | 0 Kommentare
Anfang 2010, ein neues Jahrzehnt beginnt. Nur ein kleiner Schritt für die Menschheit, aber ein großer für mich, denn es ändert sich nicht nur eine Zahl auf dem Kalender, sondern auch der Dienstgeber. Der wiederum fordert einen enormen Schritt von mir, denn mit einer Entfernung von über 7.000 Kilometern liegt Peking nicht gerade hinterm Voralpenkreuz. Ja genau, Peking. Radio China International hat mich als einzigen Österreicher dazu auserwählt, für ein Jahr bei einem der größten Radiosender der Welt zu arbeiten. Sounds like fun? You bet!
Zu behaupten, die Stadt hieße mich warm willkommen, wäre etwas übertrieben – als ich aus dem Flugzeug aussteige, hat es -15 Grad und ein eisiger Schneesturm aus der Mongolei beißt sich ohne Rücksicht auf Winterjacken und Mützen unverzüglich in die Haut. Nachdem warme Kleidung offenbar nix hilft, empfängt mich mein Neo-Kollege Andy gleich mit T-Shirt und krakeelt fröhlich drauflos: “So ein Glück hast Du! Das ist der kälteste Winter hier in Peking seit 50 Jahren! Toll, nicht? Hahaha!” In der Tat scheint die Stadtverwaltung den historischen Schneemassen nicht wirklich gewachsen zu sein, denn Schneepflüge braucht man hier offensichtlich nur, um etwaige Demonstrationen wieder von der Straße zu schaffen. Also rückt die Straßenmeisterei (oder was auch immer) dem Schnee mit heißem Wasser zu Leibe, was natürlich eine grandiose Idee ist: Das Wasser gefriert in rekordverdächtiger Zeit zu Spiegeleis und die Autos beginnen, auf der Straße Ballett zu tanzen, drehen sehenswerte Pirouetten und sorgen dafür, dass das Publikum etwas zu sehen und zu hören bekommt. Es kracht und scheppert an allen Ecken und Enden, alles eingebettet natürlich in ein ohrenbetäubendes Hupkonzert.
Letzteres ist laut unserem Fahrer jedoch der Normalzustand. Der blüht in dieser Kampfzone sichtlich auf, freut sich über jedes Überholmanöver wie eine Eisprinzessin und nimmt zur Feier des Tages auch mal den Gehsteig, wenn die normale Straße gerade wieder wegen eines quer stehenden Autos blockiert ist. Während Andy und der Fahrer um die Wette lachen, versuche ich Gedanken wie “In China gibt es 1,3 Milliarden Menschen – wie viel zählt da wohl ein Leben?” zu verdrängen. Als wir nach einer 3-1/2stündigen Fahrt (zum Vergleich: der Flug dauerte 9 Stunden) bei meiner Wohnung ankommen, bin ich trotz der Kälte schweißgebadet.
Tranquillity base here – the eagle has landed.
Ein guter Ausgangspunkt um sobald als möglich das Metal-Geschehen in China kennenzulenern. Es sind immerhin schon Shows von In Flames und Konsorten angekündigt. Man darf gespannt sein…
Wolfang Kuhn, China
- 28.01.2010
von Tobias
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