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Hellfest – Metal-Erlebnisurlaub par excellence

Unterwegs an der Front | Autor: Schnabel | 19.06.2010 | 0 Kommentare

Es gibt sicherlich einfachere Dinge, als von Berlin ins beschauliche Westfrankreich zu reisen, um das Hellfest zu besuchen. Aber mit hundertprozentiger Sicherheit ist es wirklich jede, absolut jede Beschwerlichkeit wert, dieses Event besucht zu haben. Thomas Sonder und Melanie Haack berichten vom größten französischen Open Air.

Hellfest

Publikum @ Hellfest

Die Hinfahrt gestaltet sich bereits leicht merkwürdig: Der Shuttlebus in Paris-Orly, der uns vom Terminal Süd ins Terminal Ost bringen soll, ist eine feine Sache. Jedoch an der dritten von fünf Haltestellen scheint den Busfahrer etwas gestochen zu haben: Er schaltet den Motor aus, verlässt den Bus und rennt davon. Verunsicherte Gesichter um uns herum. Beobachtung weiter: Er läuft zu seinem Auto, steigt ein und fährt weg. Noch größere Fragezeichen. Zwei Minuten später ist er plötzlich wieder da, betritt den Bus und tut seinen Job weiter, als wäre nichts geschehen. Ein seltsames Volk, diese Franzosen…

Freitagmorgen, 6 Uhr, Ankunft in Clisson auf dem Festivalgelände. Erste Leichen am Wegesrand, obwohl das Hellfest noch gar nicht begonnen hat. Die Zeltplätze sind bereits brechend voll, hier wird dicht an dicht gecampt, keine zwei Zentimeter Raum zwischen den einzelnen Zelten. (Es heißt also fürs nächste Mal: unbedingt vor Freitag anreisen.) Also… was tun? Neuen Raum finden. Explorer sein. Absperrungen ignorieren und eine neue “Camping area” eröffnen. Bis zum Freitagabend ist dies hier gängige Praxis. Weinstöcke und steinige Fußwege bekommen ganz neue Bedeutung als Heimat für schmerzfreie Metaller. Was in der Nacht noch ein “WC” war, ist heute Grundfläche zum Zeltaufbau.

Hellfest by night

Hellfest by night

Einmal im Gelände drin, vergisst man zuerst, dass man auf einem Musikfestival mit ist: Zu imposant sind die metallenen Aufbauten überall, die bei Dunkelheit beleuchtet und mit Feuern gekront sind. Das Gelände ist riesig, aber überschaubar. Klare Strukturen herrschen vor: Die beiden Hauptbühnen stehen direkt nebeneinander, was eine quasi lückenlose Konzertabfolge gewährleistet – lediglich fünf Minuten Pause gibt es, damit sich die Publikumsmasse von der einen auf die andere Seite wuchten kann. Dies ist jedoch ab dem späten Nachmittag sowieso hinfällig, da hier der Platz brechend gefüllt ist. So gesehen etwa bei den Deftones um 16:45 Uhr am Freitag oder Airbourne um 17:00 Uhr am Samstag. Dass man danach bei Slash, Twisted Sister und Alice Cooper keinen Fuß mehr vor den anderen bekommt, ist zwar etwas unbequem, tut der Stimmung aber keinen Abbruch.

Slash (c) M. Haack

Slash (c) M. Haack

Twisted Sister (C) M. Haack

Twisted Sister (c) M. Haack

Für den etwas “anderen” Geschmack gibt es noch zwei Zeltbühnen, in denen Black, Death, Gothic, Doom und Metalcore ihr Zuhause haben. Diese sind weit genug voneinander entfernt, um keine Sound-Probleme zu verursachen.

Überhaupt Sound: Auf den vier Bühnen ist alles perfekt abgestimmt, nirgends ist Brei zu hören oder entstehen Probleme, der Zeitplan wird gnadenlos eingehalten. Einzig Godflesh bzw. Mr. Broadrick meint (Donnerstagnacht), seine Technik nicht im Griff haben zu können. Allerdings nicht nur sie, denn das Konzert ist eine absolute Katastrophe. Manche nennen es womöglich “eigene Neuinterpretation der alten Songs” – was hier jedoch aus ‘Like Rats’ gemacht wurde, grenzt schon fast an totale Zerstörung. Eine Wohltat hingegen sind Asphyx (Freitagnachmittag), die im anderen Bühnenzelt einen perfekten Auftritt runterreißen. Hauptsächlich alte Songs und ein begeisterter Martin van Drunen lassen das Gelände erbeben sowie echtes und pures Death Metal-Feeling in die Meute prasseln.

Früher Abend. Hunger. Und dann blankes Entsetzen – vor Freude: Eine unglaublich lange Fressmeile, fernab von lediglich Bratwurst/Pizza/Thai/Döner-Angebot (wobei es dies natürlich auch gibt). TexMex, Merguez, Chili con carne, Raclette, Kartoffelgratin, Vegetarisches, Biofood, Obst und Multivitamingetränke bis nicht zuletzt hin zu einem Süßigkeitenstand – das Hellfest ist nicht nur hier mehr Event als Musikfestival. Das zeigen auch die unzähligen Merch- und Schmuckanbieter sowie die Stände diverser Plattenfirmen (unter anderem Earache und Listenable).

Früchte und Vitamine

Früchte und Vitamine

So, genug geschwafelt, gleich geht’s weiter zu My Dying Bride und Jello Biafra. Und eins ist sicher: Wer einmal hier war, will dieses Festival immer wieder besuchen.

Airbourne · Festival · Frankreich · Hellfest · metal · Slash

  • 19.06.2010

von Schnabel

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