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Ideenlosigkeit zu Geldscheinen

Metal im Alltag | Autor: Jakob | 25.01.2012 | 4 Kommentare

Es ist eine immer populärer werdende Unsitte von alteingesessenen Bands, ihre Auftritte mit der Aufführung kompletter Alben zu bestreiten. Statt auf frische Ideen zu setzen wird wiedergekäut, nachgemacht und aufgewärmt. Und das stinkt mir ganz gewaltig. 

Prinzipiell ist diese Variante der Tour für alle Beteiligten eine positive Geschichte: statt mit einem bestenfalls halbgaren neuen Studioalbum durch die Lande zu ziehen, können sich Bands durch die Beschränkung auf bewährtes Material des Zuspruchs ihrer Fans sicher sein. Diese wiederum bekommen ein garantiertes Hit-Programm, ohne sich bei unbekannten und/oder ungeliebten Album-Perlen zu langweilen. Und die Veranstalter können sich durch den schon im Vorfeld garantierten Zuspruch einer profitablen Marge sicher sein. Also ist doch alles Bestens! Ich finde: nein.

Auch ich bin letztes Jahr vor Freude im Kreis gesprungen, als Judas Priest Raritäten aus ROCKA ROLLA oder RAM IT DOWN ausgepackt haben, jeder hat so seine nostalgische Schwachstelle. Und es gibt Alben, deren Songs zwingend am Stück aufgeführt werden müssen, weil sie nur im Kontext der erzählten Geschichte funktionieren. Dazu zählen die packende Überwachungs-Story OPERATION: MINDCRIME, und natürlich das Jahrhundert-Werk THE WALL. Doch das sind Ausnahmen.

 

http://www.youtube.com/watch?v=OozVbnN-wTo

 

Populär wurde die Ein-Album-am-Stück-Idee durch die allmächtigen Slayer. Die Kalifornier sind sowohl für ihr langsames Songwriting als auch für ihr exzessives Touring bekannt. Um also den Fans für den kommenden Tourausflug etwas Besonderes zu bieten, gab es den Klassiker REIGN IN BLOOD inklusive finaler Blut-Dusche am Stück. Auf DVD gebannt war somit die Füllung der Kriegskasse gesichert. Und als „Erfinder“ der Idee kann man Slayer an der Stelle auch keinen Vorwurf machen.

 

 

Doch was danach an Reunions, Best Of-Shows und Jubiläums-Konzerten über uns hereinbrach, ist langsam nicht mehr witzig. Denn in den meisten Fällen ziehen Kapellen durch das Land, die entweder seit langem kein vernünftiges Studiomaterial auf die Reihe bekommen oder aber ihren kreativen Zenit längst überschritten haben. Monster Magnet spielten DOPES TO INFINITY, Fu Manchu kündigen IN SEARCH OF… an, die Reisegruppe Neunziger-Thrash (bestehend aus Sepultura, Exodus, Heathen, Destruction und Mortal Sin) fährt gleich die fünffache Nostalgie-Packung auf und Metallica werden ihre Sommerfestivals mit METALLICA strecken. Unterm Strich: Nichts Neues, nichts Frisches, nichts Aufregendes. Stattdessen erwartet den Fan bewährte Nostalgie im überteuerten Bratwurst-und-Brause-Ambiente.

Was kann man tun? Die Entscheidung liegt bei denen, die die Tickets kaufen und die Konzerte besuchen. Wollen wir uns für teures Geld Altbewährtes geben, oder ist es aufregender, für schmales Geld was Neues zu entdecken? In der sehenswerten LEMMY THE MOVIE-Dokumentation wird Dave Grohl befragt, was der Unterschied zwischen Motörhead und anderen Alt-Kapellen ist. Grohl sagt: Statt sich auf die „gute alte Zeit“ zu besinnen und in Nostalgie zu versinken, sitzt Lemmy garantiert irgendwo mit einem Drink in der Hand und schreibt Songs für sein nächstes Album.

http://www.youtube.com/watch?v=uxYG7L7Suc8

Und das ist mir persönlich allemal lieber als unmotivierte Alt-Rocker, die nichts mehr auf die Kette kriegen und sich mit ihren größten Hits von damals an meinem Sparschwein festklammern wollen. Denn es gibt so viel mehr Musik da draußen als die größten Hits der Siebziger, Achtziger und Neunziger.

Oder irre ich mich?

Grüße, Jakob

der Autor des Beitrags

Dave Grohl · Graspop · Judas Priest · Lemmy · motörhead · Pink Floyd · Queensryche · Reunion · Rock am Ring · slayer

  • 25.01.2012

von Jakob

Kommentare 4
nö

seh ich schon anders! gerade beim beispiel motörhead muss ich den kopf schütteln. die klingen album für album gleich und machen immer das gleiche. und live dazu noch völlig langweilig. ich finds gut, dass ich so alben wie master of puppets, draconian times oder troublegum mal komplett live genießen konnte! natürlich wirds momentan von allen möglichen kapellen übertrieben, aber bei so einigen klassikern machts schon sinn! jetzt freu ich mich auf meantime von helmet! cheers

Blackadder am 26. Januar 2012 08:58

nö,nicht unbedingt

Meiner Meinung nach macht auch hier,wie bei so vielen anderen Dingen auch,die Dosis das Gift. Ein Album zum Jubiläum der Veröffentlichung komplett aufzuführen kann ja eine ganz unterhaltsame Idee sein. Läßt man dies aber zur Gewohnheit werden,dann wird es wirklich bedenklich,wie im Artikel geschildert. Was man allerdings auch immer im Hinterkopf behalten sollte,ist, daß es auch dies solange gibt,wie es Publikum gibt,daß eben solche Veranstaltungen sehen will.

totaldesaster84 am 29. Januar 2012 21:02

ähm... wo ist dein Problem?

Ich bin heilfroh, wenn Bands sich nochmals auf alte Alben besinnen und mit denen ihre Touren bestreiten, denn wenn man nicht das Glück hatte zur "früher war alles besser"-Zeit (sprich 80er) alles zu sehen was man wollte sind diese Touren für alle jungen Fans ein Glücksfall. Jaja, es gibt Videos aus der Zeit, aber das ist einfach nicht das gleiche. Außerdem zwingt dich doch niemand zu den Touren zu gehen und so wie es hier geschrieben wird, würdest du das eh nicht tun, weil dir die neue Musik der Gruppen nicht gefällt, mhh.... eigentlich noch ein Grund viel mehr für alle "früher war alles besser"-Idioten sich auf solche Touren zu stürzen.

Jonas am 6. Februar 2012 12:37

Asd

Nun z.B: Bei Exodus war das so das die Lieder gespielt haben, die sie seit den 90ern nicht mehr gespielt haben dasselbe wie bei Destruction, Heathen kommt sowieso zu selten nach Deutschland und Mortal Sin sind zu unbekannt als das man sich darüber beschweren könnte, einzig und allein bei Sepultura war ich auch ein bisschen sauer aber das war zu verschmerzen, nach dem die jetzt endlich mal ein gutes Album rausgebracht haben (Kairos) ist das auch zu verschmerzen.

Makiki am 10. Februar 2012 15:49

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