Konzert-Abend in China: Friday Matel (sic) Night
Unterwegs an der Front | Autor: Tobias | 04.03.2010 | 0 Kommentare
„Made in China“ sind so manche Dinge, die im täglichen Gebrauch eine wichtige Rolle spielen. Diverse Metallprodukte werden hier beispielsweise so unschlagbar billig produziert, dass sich andere Länder nur mehr mit Strafzöllen zur Wehr setzen können. Gilt dies auch für chinesischen Heavy Metal? Um das herauszufinden, statte ich Anfang Februar dem 13Club in Peking einen Besuch ab, wo die „Small Year’s Eve“-Party steigt.

Die Matel(!) Party
Diese „Friday Matel Night“ [sic!] wird ausschließlich von chinesischen Bands bestritten. Insgesamt gesehen decken diese ein breites Spektrum ab, von Power über Death und Black Metal sind so ziemlich alle Genres vertreten. An diesem Abend sind Bands härterer Couleur am Start, und die erste Band, die ich zu sehen bekomme, ist dann gleich Evilthorn – laut Eigendefinition „Chinas most evil Black Metal band“. Die Frage ist, wie böse eine Band aus einem Land sein kann, in dem der Atheismus quasi Staatsreligion ist?

Evilthorn live
Die Antwort: verdammt böse! In Ermangelung des natürlichen Feindes des Black Metallers (= Christen) machen die fünf Pandabären kurzen Prozess und erklären gleich der gesamten Menschheit den Krieg. So heißt es martialisch auf der Website: “EVILTHORN persists in the theme of wars, slaughter, and race purge […] – war is the one and only way of getting rid of the inferior and filthy ‘things’.” Vor allem der Schlagzeuger nimmt diesen Blödsinn offenbar tierisch ernst und befindet sich folgerichtig im Krieg mit sich selbst. Während er also an Freund und Feind vorbeiklöppelt, zocken seine Vordermänner eine lauwarme Melange aus Burzum und Mayhem, die nicht einmal halb so aufregend ist wie der Leoparden-Gitarrengurt des zweiten Gitarristen (zuletzt habe ich so was mal bei Gotthard gesehen). Selbst wenn der Große Panda (Ailuropoda melanoleuca) ursprünglich aus China stammt – das mit dem Bambusvernichten haben die skandinavischen Artgenossen einstweilen noch ein bisschen besser drauf.
Als nächstes schaue ich mir Dark Haze an – blutjunge Kids, die statt Kung Fu lieber Slayer und Testament in der heimischen Garage spielen. Das wird Papa freuen, denn an den Instrumenten sind seine Sprösslinge schon ziemlich fit. Angesichts ihres juvenilen Alters sei ihnen auch verziehen, dass es ihnen an Eigenständigkeit und Charisma mangelt – aber das ist ein Phänomen, das sich ohnehin wie ein roter Faden durch den Abend zieht.

Dark Haze live
So auch beim Headliner Frosty Eve. Die konnten in der Vergangenheit schon einiges reißen, unter anderem Support-Gigs für Stratovarius und internationale Aufmerksamkeit für ihr letztes Album POLAR NIGHT. Nicht ganz zu Unrecht, denn die Herren zocken eine blitzsaubere Mischung aus Children of Bodom und, ähm ja, Children of Bodom. Genau genommen kopieren sie ihre finnischen Vorbilder bis ins Detail, speziell die Keyboardsounds sind teilweise 1:1 übernommen. Das dürfte speziell Freunde der ersten drei Bodom-Alben freuen, die bei Frosty Eve bedenkenlos ein Ohr riskieren können – rein kompositorisch sind ihre Songs nämlich astrein und auf Platte fällt es auch nicht ins Gewicht, dass ihr Sänger mit der Ausstrahlung eines Postboten glänzt (und gemeint ist definitiv nicht Fenriz…).

Frosty Eye live
- 04.03.2010
von Tobias
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