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Lauter als AC/DC: Neujahr in China

Unterwegs an der Front | Autor: Tobias | 24.02.2010 | 1 Kommentar

Ich war 13 Jahre alt, als ich zum ersten Mal AC/DC gesehen habe – ein unglaubliches Konzert während der RAZOR’S AGE Tour in Graz zusammen mit Metallica, Faith No More und Queensryche. Nie werde ich die Schockwellen bei „For those about to rock“ vergessen, denn damals wurden hinter der Bühne simultan zu den Kanonen noch Mörser gezündet – ein famoser Krach, gegen den die Kanönchen der aktuellen BLACK ICE Tour wie ein laues Echo wirken. Was das mit dem Chinesischen Neujahr zu tun hat? Jede Menge, denn damals wie heute hatte ich das Gefühl, jeweils der lautesten Explosion seit dem Urknall beizuwohnen.

Böller-Panzer zum neuen Jahr

Böller-Panzer zum neuen Jahr

Doch der Reihe nach: Das Frühlingsfest – oder auch Chinesisches Neujahr – ist der wichtigste Termin im chinesischen Mondkalender. Umgelegt auf europäische Verhältnisse wäre das so, als ob Weihnachten, Ostern und Geburtstag auf einen Tag zusammenfielen. Schon in den Tagen vor dem großen Ereignis befindet sich Peking im Ausnahmezustand: Die üblicherweise verstopften Autobahnen sind verdächtig leer, da alle nicht Lebensmüden zu ihren Familien aufs Land flüchten. Diametral entgegengesetzt nimmt die Intensität der Feuerwerke mit jedem Abend zu, was sich so anfühlt, als ob eine gewaltige Front stündlich näher rückt. An jeder Straßenecke stehen staatlich kommissionierte Feuerwerkshütten, die alles verkaufen, was das Herz eines Pyromanen erfreut: Panzer, Flugzeugträger, Stealth Bomber, Flammenwerfer, Raketen und Feuerwerksbatterien, die ausreichen würden, um ein Auto in die Luft zu sprengen. Das lassen sich die Pekinger auch einiges kosten, denn eine Box mit Munition für 12 Minuten kostet bis zu 1.400 Yuan (zum Vergleich: eine durchschnittliche Kellnerin verdient im Monat zirka 300-500 Yuan). Am Silvesterabend wird also locker das österreichische Landesverteidigungsbudget verballert.

Chinesisches Neujahrs-Arsenal

Chinesisches Neujahrs-Arsenal

Unbedarfte Peking-Touristen sollten sich an diesem Tag daher mit Schutzhelmen und kugelsicheren Westen eindecken. Ab Mitternacht bricht nämlich die Hölle los. Der CNN Reporter, der einst in Bagdad voller Verzückung ob der Zerstörungskraft amerikanischer Bomben “Der Himmel ist erleuchtet!” ausrief, würde sich in dieser anarchistischen Straßenschlacht wie zu Hause fühlen. Wobei die amerikanische Armee damals nicht einmal halb so betrunken und scharf bewaffnet gewesen sein dürfte. Raketen pfeifen kreuz und quer, horizontal und vertikal durch die Luft, Böller mit der Wucht von Artilleriekanonen hallen durch die Häuserschluchten, während aberwitzige Teppichkracher wie MG-Nester von allen Seiten auf ihre Opfer einprasseln. Inmitten dieses apokalyptischen Infernos muss ich ständig an das letzte God Dethroned Album PASSIONDALE denken: “Machine guns fire in hysteria – gunned down and shot to pieces.” Die Chinesen wollen mit dem Lärm ja eigentlich die bösen Dämonen vertreiben. Sollte tatsächlich einer von ihnen diesen Raketenhagel überstehen, muss der mindestens so böse wie Glen Danzig oder Oscar Dronjak sein.

Übertreibung? Keineswegs: Im letzten Jahr brannte das Nachbargebäude des berühmten CCTV-„Faltturms“ nach illegalem Raketenbeschuss bis auf die Grundfesten ab. Die Asche regnete noch einen Kilometer entfernt zu Boden, während die Pekinger fröhlich weiter feierten und feuerten. Zitat eines Augenzeugen: „Das war das schönste Feuerwerk, das ich je gesehen habe!“

Neujahrsfolgen

Neujahrsfolgen

  • 24.02.2010

von Tobias

Kommentare 1

bei besagter monsters of rock show in Graz war ich ebenfalls - und gerne erinnere ich mich an den ticketpreis von ca 25 € zurück, für den man heute nicht mal mehr underground bands zu sehen bekommt. eine erfindung des autors ist jedoch, dass damals Faith No More mitgespielt hätten. auch so ein klasse lineup und das größte Metal ereignis in dieser stadt ever.

Panda am 25. Februar 2010 11:07

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