Subway To Sally Tour-Tagebuch: Bielefeld + Wilhelmshaven
Unterwegs an der Front | Autor: Tobias | 23.04.2009 | 0 Kommentare
Bielefeld, 16.04.
Der Tross rollt wieder! Mein Biorhtythmus hält mich davon ab, länger als halb neun Uhr zu schlafen. Wir sind bereits am Vorabend mit unserem Nightliner und unserem Truck in Richtung Bielefeld aufgebrochen und standen seit den frühen Morgenstunden vor der Halle. Da die Garderoben und das Frühstück aber, wie immer bei unseren Touren, erst ab zehn Uhr zur Verfügung stehen, entscheide ich mich dazu, ein paar Seiten zu lesen, bevor ich mich gegen halb zehn in die Halle begebe.
Der Ringlokschuppen ist, wie der Name schon sagt, ein ehemaliges Unterstellgebäude für Schienenfahrzeuge. In den Garderoben sind Bilder aus alten Tagen zu sehen- die Halle war vor der Renovierung in einem entsetzlichen Zustand. Ich denke, man muss hier eher von “Wiederaufbau” als “Renovierung” sprechen, denn es standen im Grund nur noch die Seitenwände. Sei es drum, heute bietet der Laden die perfekten Vorraussetzungen für eine Premierenshow. Die Bühne ist groß, der Backstage einladend, sauber und hell, das Catering ist üppig- und die Stimmung in der Crew und Band ist ausgezeichnet.
Der Aufbau geht dann auch überraschend zügig von statten. Lediglich unser Pyrotechniker Thomas hat mit ein paar Problemen zu kämpfen. Seine neuen Lycopodium-Feuer-Kanonen funktionieren beim obligatorischen Probeschießen in Anwesenheit der Feuerwehr nur halb. Zwar schießen sie eine beachtliche Menge hauchfeinen, grellgelben Pyropulvers vier Meter hoch in die Luft – allerdings versagt die Zündung. Das führt dazu, dass die komplette vordere Bühne inklusive Zuschauerraum mit einem dicken Film aus Lycopodium bedeckt wird. Danach konnte Thomas erstmal seine Fähigkeiten als Hausmann unter Beweis stellen und beschäftigte sich mit Staubsauger und Wischmob, statt mit Feuer und Funkenregen.
Es soll allerdings die einzige kleine Panne im Laufe des Tages werden, was ungewöhnlich für einen ersten Tourtag ist. Wir machen zur Verwunderung aller Bandmitglieder pünktlich um 16.30 Uhr Soundcheck. Unsere Crew hat ganze Arbeit geleistet. Sound und Licht wirken prima und die neuen LED-Wände, unser stärkster Show-Effekt auf dieser Tour, sind die pure Wucht.
Um 17.30 räumen wir die Bühne für Mono Inc., die uns auf dieser Tour begleiten. Auch für sie läuft der Soundcheck weitgehend problemlos und so können sich alle Beteiligten bereits lange vor dem Einlass entspannen und das bereits aufgestellte Abendessen genießen.
Die Zeit bis zur Show verbringt jeder mit privaten Dingen. Ich telefoniere mit meiner Freundin, während ich mir eine Futurama-Folge auf mein Smartphone ziehe (welches mir im Tourbusbett als Movie- Player dient). Bodenski und Eric lesen, Sugar Ray übt Bass. Bereits, als Mono Inc. ihre Show beginnen sind alle Kollegen fertig umgezogen und im Liveoutfit an der Bühnenkante zu sehen. Ein deutliches Zeichen dafür, dass alle doch ziemlich aufgeregt sind vor der ersten Show mit neuem Programm. Wird alles funktionieren? Wie werden die neuen Songs, insbesondere das neue Intro, von den Fans aufgefasst werden?
45 Minuten später stehen wir dann auf der Bühne. Über 1500 begeisterte Fans schreien uns an – ein wunderbares Gefühl nach drei Wochen intensiver Probenarbeit. Das Intro, das auf dem Song “Komm In Meinen Schlaf” basiert, kommt ausgezeichnet an – trotz der kontroversen Diskussionen im Vorfeld. Der darauf folgende Uptempo- Song “Aufstieg” rockt ebenfalls gut los und sorgt für ein Raunen in der Masse, als die ersten Sequenzen der LED-Wände abgespielt werden. Unser Plan geht auf! Es funktioniert!
Zwei Stunden und eine großartige, erste Show später stehen wir unter der Dusche und sind hoffentlich genauso glücklich, wie unsere Konzertbesucher an diesem Abend. Nach dem Duschen noch rasch an den Merchandise-Stand, an dem schon viele Fans auf uns warten, um sich ihre Konzertkarte oder ihr T- Shirt signieren zu lassen. Dann ein Blick auf die Uhr und diese zeigt schon ein Uhr an. Das heißt für mich: ab in den Bus! Noch ein kleines Glas Rotwein bei einem angeregtem Gespräch mit Bodenski, während der DVD Player des hochmodernen Tourbusses (dazu später mehr!) “Napoleon Dymnamite” zeigt.
Kurz, bevor mir die Augen zufallen, begebe ich mich gegen zwei Uhr in mein Bett. Dennoch möchte ich mir, wie jeden Abend, noch eine Folge Futurama in meiner Koje ansehen. Noch vor dem Abspann schlafe ich ein. War wohl ein anstrengender Tag. Während ich tief und fest schlummere, bewegt sich unser Wanderzirkus über Nacht weiter nach Wilhelmshaven.
Simon-Michael
18.04. Wilhelmshaven, Stadthalle
Nach dem Aufwachen ein Blick auf die Uhr: 12.14. Eine gute Zeit zum Aufstehen, eigentlich – als ich aber, nachdem ich meine Gaderobe bezogen habe, zum Catering gehe, muss ich feststellen, dass bereits weite Teile des Caterings geplündert wurden. Somit fällt mein Frühstück etwas spärlich aus. Trotzdem werde ich satt, gottseidank bin ich ein anspruchsloser Frühstücker. Der restliche Catering-Tag ist allerdings ausgezeichnet!
Wir sind zum ersten Mal in der Stadthalle zu Gast. Bisher spielten wir, wenn wir in Wilhelmshaven waren, im Pumpwerk. Allerdings hätten weder der Bühnenaufbau, noch die Anzahl an Konzertbesuchern im kleinen Club nahe der Küste Platz gefunden. Somit können wir die Vorzüge einer Stadthalle genießen: Ein geräumiger Backstage, ausreichend Duschen und WCs, ein großer Speiseraum und so weiter.
Der Aufbau läuft nicht ganz so reibungslos wie am Vortag, weshalb wir mit etwas Verspätung erst Soundcheck machen. Danach sind Mono Inc. An der Reihe. Als diese dann um 20 Uhr auf der Bühne stehen, ist die Halle mit über 1.000 Leuten gut gefüllt und die Stimmung ist klasse, wovon unsere Support-Kollegen profitieren.
Danach sind wir an der Reihe. Wegen irgendeines technischen Problems läuft unser Intro zum Opener “Komm In Meinen Schlaf” gleich zweimal. Das nimmt diesem, sagen wir mal, polarisierenden Song leider den Überraschungseffekt. Unsere Fans stören sich nicht weiter dran und stimmen erheitert und voller Vorfreude “Blut, Blut, Räuber saufen Blut” an, bevor das Intro ein zweites Mal, diesmal ohne Probleme, abgefahren wird.
Und was soll man sagen? Bis in die letzten Reihen großartige Stimmung! Ich kann mich wirklich selten an solch großartige Publikumsreaktionen erinnern, wie auf dieser Tour. Das Programm zieht einmal mehr an mir vorüber wie ein D- Zug, und das, obwohl es mit über zwei Stunden das längste ist, das wir jemals auf die Bühne gebracht haben. Wenig später beenden wir mit “Fatum” und “Vater” unser Set und begeben uns unter die Dusche. Beim Autogramme-Geben ein paar Minuten später fällt mir eine Kuriosität der Stadthalle auf: Das Foyer scheint mindestens doppelt so groß zu sein, wir die Halle selbst. Seltsame Planung! Ich begebe mich, wie jeden Tag, relativ bald nach der Show zum Bus. Der ist es übrigens wert, explizit erwähnt zu werden. Da unser großer, roter Bus nicht verfügbar war, wurde uns ein Ersatzfahrzeug zur Verfügung gestellt. Dieser ist nicht nur total neu und fährt wie auf Wolken, sondern ist auch noch mit allem technischen Schnick-Schnack ausgestattet.
In den beiden Loungen (unten bzw. oben im Bus) gibt es insgesamt drei Flatscreens. Diese sind an einen Multimedia-PC angeschlossen, auf dem einige Filme gespeichert sind und zum Ansehen einladen. Die Beleuchtung in den Aufenthaltsbereichen kann man nicht nur dimmen, sondern auch in allen möglichen Farben erstrahlen lassen. Gestern entschieden wir uns für grün – man kann aber auch verschiedene Arten von Farbwechseln einstellen!
Dass der Bus über W-Lan und TV-Antenne verfügt, ist auch neu. Mal eben nach der Show das Nachtjournal sehen – ein Traum geht in Erfüllung.
Das Schärfste allerdings ist das (gerahmte) Bild auf dem Bus WC. Es zeigt eine Weide, auf der Pferde grasen. Das Ganze ist allerdings ebenfalls ein Flatscreen-Monitor – und das Bild ein Film.
Das Leben und Schlafen in einem Nightliner ist und bleibt eine anstrengende Sache – aber solch kleine Details erleichtern das Touren um einiges.
Simon-Michael
Mono Inc · Subway To Sally · Tour-Tagebuch- 23.04.2009
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