Summer Breeze 2008, Teil 4
Unterwegs an der Front | Autor: Tobias | 16.08.2008 | 1 Kommentar
Zum Glück hat sich die Wettervorhersage nicht bewahrheitet: Statt Dauerregens tröpfelt es nur gelegentlich. Und auch wenn’s merklich kälter ist als gestern, so lassen sich die Fans ihre gute Laune dennoch nicht verderben. Sie tanzen sich einfach warm – oder versuchen, mit Heuweitwurf ihre Betriebstemperatur aufrecht zu erhalten.
Generell ist heute das Billing mit weniger großen Namen besetzt als am Donnerstag – erst am Abend fahren mit Six Feet Under, Kataklysm und Subway To Sally die fetten Headliner auf.
Anfangs aber herrscht auch musikalisches Grauen. Absoluter Tiefpunkt der METAL HAMMER-Crew: Schelmish. Als die Herren nach endlosem Getröte auch noch ‛Ring Of Fire’ covern, überlegt Shifty, ob man der Band für den Song nicht die GEMA auf den Hals hetzen sollte: „Die haben das doch bestimmt nicht angemeldet“.
3 Inches Of Blood packen die ‛Deadly Sinners’ aus, und auch bei Mad Sin herrscht Partystimmung. Die Band selbst hat ebenfalls derbe Lust auf Rocken und fegt wie wild über die Bretter. Auch das Funken sprühende Cello sorgt für frenetischen Jubel. Der Pokal des Publikumslieblings geht aber eindeutig an Korpiklaani. Schon bei der Autogrammstunde am frühen Nachmittag stehen die Fans bis in den hintersten Winkel des Festivalgeländes Schlange. Beim Konzert schließlich gibt es kein Halten mehr. Menschen in krassesten Verkleidungen crowdsurfen, es gibt fast mehr Trinkhörner als Bierbecher zu sehen, und ein Fingerhörnermeer brandet auf. Nicht mal die Tatsache, dass die Band gut zehn Minuten später als geplant auf die Bühne kommt, kann die Laune senken. Da gibt’s eben einfach Sprechchöre als Ersatz für Musik.
Würden nur die Damen den Pokal für den Publikumsliebling vergeben, hätte Tim Lambesis von As I Lay Dying eindeutig die Nase vorn. Bei der Signing Session kommt der Frontmann kaum aus dem Schreiben und Fotografiertwerden raus. Als die Amerikaner nach einer Stunde schließlich wegmüssen, gibt es sogar Tränen. Zwei Mädels, die kein Autogramm mehr bekommen haben, sind untröstlich. Zumindest so lange, bis Herr Sauermann mit Black Metal-Miene ums Eck biegt und mit ihnen diskutiert.
Auch bei End Of Green ist gut was los, viele Fans haben sich extra für den Gig der Band in Schale geworfen – Goth-Look a go go. Die meisten rocken aber einfach gepflegt ab und sind schlußendlich froh, dass nun der Tag der Tröten musikalisch zur Neige geht. Am Abend nämlich regieren wieder die Riffs, nicht die Blasinstrumente. Six Feet Under, die ja live nicht immer in Topform sind, erwischen heute einen Hammertag. Und Songs ‛Feasting On The Blood Of The Insame’ sind eh unsterblich. Als dann noch ‛TNT’ zum Abschluss kommt, sind alle glücklich. Außerdem stehen gleich darauf die Hyperblaster Kataklysm auf der Pain Stage. Death Metal ist also auf dem Vormarsch, was die beiden Hauptbühnen angeht.
Im Zelt ist heute ein bunt gemischtes Programm angesagt: XIV Dark Centuries ziehen die Massen und die Hörner an, Rotten Sound prügeln am derbsten von allen bisherigen Bands, und Manegarm klingen zwar etwas holzig, spielen mit ‛I Ewig Tid’ aber einen Oberhit.
Und es kommt gleich noch heftiger: Die Gigs von The Vision Bleak, Hollenthon und Subway To Sally stehen noch an – außerdem kommt die Düster-Fraktion mit ASP und Jesus On Extasy zum Zug. Für die Metaller bleibt da natürlich nur die Flucht zum Bierstand. Aber das ist ja auch nicht das Schlimmste.
Jetzt erst mal: Ab vor die Bühne! Bis morgen!
Festival · summer breeze- 16.08.2008
von Tobias
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Kommentare 1
Bezüglich der Kommentare zu Schelmish: Man kann ja über Bands sagen was man will - die Gedanken sind frei. Aber von einem Blog einer angeblich seriösen Zeitschrift verlange ich zumindest einen etwas seriöseren Journalismus, als es hier zur Schau geboten wird. Einfach Mutmaßungen über die Ehrlichkeit und Professionalität einer Band anzustellen ohne Recherche zu betreiben. Natürlich ist "Ring of Fire" von Schelmish bei der GEMA angemeldet und (obwohl es bei einem reinen Coversong nicht nötig ist) sogar von den Nachlassverwaltern Johnny Cashs abgesegnet. Abgesehen davon konnten ca. 8.000-10.000 Leute, die beim Gig vor der Bühne standen und mitgefeiert haben, Eure Meinung nicht teilen. So FUCK YOU and fuck gonzo-journalism.
TrueMeaning am 25. August 2008 13:21