Tour-Tagebuch: Heaven Shall Burn in Australien – Teil 3
Unterwegs an der Front | Autor: Tobias | 15.05.2009 | 0 Kommentare
14.05.2009 Sidney
Ich sitze grad auf dem Dach unseres Hotels während Eric und Alex ihre ersten australischen Schwimmversuche im Pool hier oben machen. Naja, bei 1,20 m Wassertiefe kann auch nicht viel passieren – Haie oder Giftquallen sind ebenfalls nicht zu erwarten. Die Show gestern in Brisbane war der absolute Hammer. Für gewöhnlich sind ja erste Shows auf Touren immer eine eher durchwachsene Sache, aber diesmal war alles richtig fett und wir sind mit einem breiten Grinsen von der Bühne gestiegen. Schon bevor unser Intro lief, haben viele der knapp 2.000 Kids ordentlich gefeiert und uns immer wieder mit megalauten Sprechchören angefeuert – unser Tourmanager schaute auch etwas überrascht drein, aber freute sich natürlich auch. Die Show war sehr cool und vom ersten Ton an geben die Leute in Brisbane alles.
Vor uns haben Black Tide den Abend eröffnet und es ist wirklich kaum zu glauben was dieser bunte Haufen von 16-20 Jährigen Kids da auf die Bühne zaubert – absolut begnadete Musiker (der Drummer z.B. spielt Keyboard und Schlagzeug gleichzeitig!) und eine richtig unterhaltsame Liveband, die die Meute vom ersten Akkord an im Griff hat. Ich hatte Black Tide vorher noch nie gesehen, aber umso überraschter war ich. Sehr unterhaltsame Band.
Trivium haben dann den Laden endgültig demontiert, ihr Soundmann stellt einen mörderfetten Sound in die Halle und man sieht, wie eingespielt Trivium sind – eben eine richtige Profiband und nicht so ein Kegelverein wie HSB haha. Aber was wir technisch und spielerisch nicht haben, machen wir mit deutschen Tugenden wie Aggressivität und Kampf wieder weg – sagte zumindest einer der Amis… haha. Ein schöneres Kompliment kann man gar nicht bekommen. Genau darum geht es bei uns, der hats kapiert!!!
Einen ersten Spaziergang in Sydney habe ich auch hinter mir, natürlich erstmal zur Harbour Bridge und zum Opera House, durch den schönen Botanischen Garten der Stadt in dem unglaublich laute weiße Papageien den Touristen das Futter abjagen. Das Wetter ist sehr gut, ich habe echt zu tun mir in der Herbstsonne nicht nen Sonnenbrand zu holen. Das Opera House und der Hafen sehen wirklich hammergeil aus – erst wenn man davor steht, wird einem richtig bewusst, dass man wirklich gerade auf der anderen Seite der Welt ist. Ach ja noch etwas ganz verblüffendes habe ich entdeckt: Ich geh aus dem Hotel und will die Straße an einem Zebrastreifen überqueren und plötzlich halten die Autos an, sehr freundlich, aber sicher Zufall denke ich mir. Aber dann, im weiteren Verlauf meines Fußmarsches, passiert mir das noch dreimal – es ist kaum zu glauben, aber es scheint wirklich noch ein weiteres Land neben Deutschland zu geben, in dem Autofahrer an Zebrastreifen halten, Wahnsinn!!! Wenn ich dran denke, wie oft ich schon in Russland, Brasilien oder sonstwo von der Piste gebügelt worden bin, wird mir hier ganz warm ums Herz. Wird mir immer sympathischer dieser Kontinent!
15.05.2009
Soooooo, wir sind nach ca. anderthalb Stunden Flug in Melbourne angekommen und ich liege im Hotel Savoy auf meinem weichen Bett und habe grad ein Buch von Jean Ziegler über das Elend in der Welt gelesen („Imperium der Schande“) – da kommt man sich in so nem Luxusschuppen gleich noch unbehaglicher vor. Die Veranstalter hier buchen wirklich nur nobelste Herbergen und es ist immer wieder ein Spaß zu erleben, wie verstört die Damen und Herren in der Lobby sind, wenn ein Bus voller zugehackter Metaller das Haus stürmt.
Die Show in Sydney gestern war ein voller Erfolg, wieder um die 2.000 Leute, die vom ersten Akkord an gefeiert haben. Der Sänger von Black Tide ist mit einem grässlichen rosa Shirt auf die Bühne, aber dieses schräge Outfit störte die Leute nicht und Black Tide legten einen Super Gig hin.
Bei uns drehen die Leute noch mehr durch und lassen uns auf der Bühne ganz breit grinsen. Wir hatten ja noch gedacht, die fanatischen Reaktionen in Brisbane waren noch eine Eintagsfliege, aber es scheint so, als seien die Leute auf den Konzerten hier einfach viel viel fanatischer und feierwütiger als wir es erwartet hatten. So kann es auf jeden Fall weiter gehen hehe.
Trivium werden dann frenetisch abgefeiert, jeder Einzelne im Raum dreht durch und gibt sein Letztes. Ein, zwei Verspieler schleichen sich heute ein, was bei Trivium wirklich ungewöhnlich ist, aber sie nehmen es mit Humor und man merkt, wie viel Spaß die Jungs auf der Bühne haben. Überhaupt muss man konstatieren, dass Trivium nicht wie viele Amibands 45 Minuten gelangweilt ihre Dienstleistung betreiben, sondern anderthalb Stunden wirklich Vollgas geben und die Bühne immer komplett umkrempeln und hoch und runter rennen.
Nach der Show unterhielten wir uns noch mit ein paar Leuten, machten Fotos und gaben Autogramme – schon als wir am Club ankamen hatten sich links und rechts vom Eingang etliche Leute postiert und haben ein Begrüßungsspalier gebildet.
Nachdem wir im Hotel kurz geduscht hatten ging es noch mal auf die Piste, um etwas zu essen suchen. Das war auch erfolgreich und unser Partylöwe Alex hat sogar noch bis in den frühen Morgen hinein irgendeinen Club unsicher gemacht – „die haben sich um mich rum ständig geprügelt und waren alle tonnenvoll“ fast er seine Erlebnisse zusammen. Wir haben uns dann heute Morgen schon um Acht in der Hotellobby zur Abfahrt Richtung Flughafen getroffen, dementsprechend zerknautscht sah unser Herr Gitarrist dann auch aus.
Nachher treffen wir uns noch mit den Jungs von Bring Me The Horizon und deren Tourmanager Sheep, die sind auch grad in der Stadt. Sheep ist ein uralter Kumpel von uns, den wir schon seit Demozeiten kennen. Ich hab nie jemanden getroffen der wusste, wie er wirklich heißt. Ein liebenswert chaotischer Brite, der sich überall in der Welt auskennt und uns zu den vegetarischen Fresstempeln Melbournes führen wird. Ich bin gespannt!
Maik
Australien · Heaven Shall Burn · Metalcore · Tour-Tagebuch- 15.05.2009
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