T-Shirt oder Tankfüllung
Metal im Alltag, Unterwegs an der Front | Autor: Diana | 26.04.2011 | 3 Kommentare
So, heute muss ich mich mal aufregen. Mal ganz ehrlich: Habe ich irgendwie den Startschuss verpasst, seit wann Metal-Bands mit ihren Shirts als Klientel die Besserverdienenden anpeilen? Vor allem bei den bekannteren Bands nimmt es überhand, den Fans für ein Tour-Shirt mindestens 35, zuweilen sogar 45 Euro aus der Tasche zu ziehen.
Hat das noch irgendeine Relation? Ich finde nicht. Schließlich kostet so ein T-Shirt in der Herstellung gerade mal ein paar Euro. Natürlich geht es nicht nur darum, die eigene Blöße bedecken zu können, da könnte man sich ja auch einen Drei-Euro-Lappen bei Kik holen, sondern man will sich damit auch als Freund geschmackvoller Musik outen. Deshalb ist selbstverständlich nichts dagegen einzuwenden, dass die Bands an ihrem Merchandise verdienen, schließlich will man seine Lieblingstruppen ja auch unterstützen, damit sie weiter Musik machen können, statt mit Kistenstapeln im Getränkemarkt die Miete ranschaffen zu müssen.
Aber gerade unter diesem Aspekt erscheinen die überteuerten T-Shirts noch unverschämter. Ist es denn bekannteren Bands gar nichts wert, wenn Leute ihre Musik so toll finden, dass sie jederzeit und überall dafür Werbung laufen möchten? Kann man den Fans, die einen groß gemacht haben und teilweise hunderte von Kilometern zu ihrem Konzert gefahren sind, nicht zu einem fairen Preis T-Shirts anbieten? Ich sehe gerade förmlich vor mir, wie Herr Leim ungeduldig mit den Fingern auf der Tischplatte trommelt und irgendwas grummelt von wegen „Immer die Glöckner mit ihrem Underground-Gedöns…“.
Aber nee, darum geht es gar nicht. Mich ärgert es einfach, dass einige Bands offenbar denken, man müsste das so machen, nur weil man es machen kann. Weil sie wissen, dass es immer noch ein paar fanatische Anhänger gibt, die das T-Shirt dann zähneknirschend mitnehmen, weil sie eben ihre Sammlung komplett haben wollen. Aber wenn ich mich mit einer Palette Wasserflaschen in die Wüste stelle und die an Verdurstende für einen Zwanziger pro Stück verkloppe, dann kann mich auch keiner davon abhalten, aber sympathisch muss das niemand finden.
Zumal ich mir ziemlich sicher bin, dass die Bands nicht weniger Gewinn machen würden, wenn die T-Shirts günstiger über den Tisch gingen. Gerade bei bekannten Combos würde dafür doch dann einiges mehr an Masse gehen, da sicher einige Fans ein Shirt für 20 Euro mitnehmen würden, die dem Merchandiser bei 40 Euro den Vogel zeigen.
Da ist es gleich noch sympathischer, wenn man sieht, dass nicht jede Band bei diesem Trend mitzieht: Letzten Sonntag im Backstage München spielten Primordial einen grandiosen Gig vor circa 300, 350 komplett begeisterten Leuten. Im Gepäck: Zahlreiche neue T-Shirts zum neuen Album. Preis: 12 Euro pro Stück. Danke, es geht doch! Und weil es so schön war:
- 26.04.2011
von Diana
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Kommentare 3
Nix Underground-Gedöns
Ich sach doch gar nix! Denn du hast völlig Recht. Kein Shirt muss 40 Euro kosten. Das weiß ich von meiner eigenen Band, und die ist ja nun mal ziemlich Underground (noch! Weltherrschaft ab Dienstag!) Nur: "Fanatische Anhänger" müssen die Shirts nicht kaufen, Fan hin oder her. Ich finde das immer ärgerlich, wenn sich Metal-Fans so unmündig machen...
Leimsen am 27. April 2011 08:24
Nichts hinzuzufügen
Das spricht mir direkt aus der Seele! Vielen Dank für diesen Beitrag!
Steelborn Force am 27. April 2011 14:05
nicht immer auf die Bands zeigen!!
Waren es nicht Slayer vor ein paar Jahren, bei der ersten Unholy Alliance-Tour (damals mit Slipknot und Hatebreed), die im Metal Hammer dazu interviewt wurden und im Endeffekt nicht wirklich wussten, was ihre Shirts kosten (seiner zeit Slayer 30 €uronen und Slipknot 25 €uronen), da eben NICHT die Bands die Preise festlegen (zumindest oder gerade bei den größeren)...
Meikel am 27. April 2011 17:55